Kenia-Blog

15. Mai 2010

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan

Wie schon öfters erwähnt, haben wir einen Wechsel in unserer Volunteerarbeit eingeleitet. Momentan wird mein Unterricht von meinen Kollegen übernommen, während wir die körperliche Arbeit selbst angehen. Wir haben das Hauptgebäude der Schule in Angriff genommen und sind zunächst dabei, es von außen zu sanieren. Dafür haben wir eine Veranda bauen lassen, da wir ja leider nicht im Zementieren bewandert sind. Jedoch haben wir danach begonnen, das Gebäude zu streichen, da das dringend nötig war, wie man ja auf den Vergleichsfotos sehen kann.

Unser Headteacher ist sehr begeistert von den Ergebnissen, wir sind allerdings dennoch etwas zwiespältig bezüglich unserer Arbeit. Das liegt daran, dass es hier in der Gegend eher unüblich ist, solche Arbeiten selbst vorzunehmen. Es wäre also möglich, dass man (uns gegenüber natürlich nicht offenbar) meint, wir würden uns mit dieser Arbeit als weiße auf den Stand eines Handwerkers 'herablassen'. Ich möchte hier auf keinen Fall handwerkliche Berufe herabstufen, lediglich darauf hinweisen, dass sie in Kenia weniger angesehen sind als andere und es eigentlich undenkbar ist, das weiße diese Jobs machen.
Allerdings ist es für mich auch eine gewisse Freude, solche eventuell so denkende Personen zu provozieren und auszudrücken, dass ich solch ein System nicht gutheiße.
Nunja, unabhängig davon sind wir jedenfalls schon sehr weit gekommen, das Hauptgebäude ist fast fertig gestrichen, die vordere Front ist getan, die hintere Seite auch schon fast. Da meine Projektpartnerin Nadine einige Spenden bekommen hat, können wir die Sanierungsaktion fortführen. Ich werde meinen Unterricht teilweise wieder aufnehmen, was ich behalte wird sich noch entscheiden.

8. Mai 2010

Fotostrecke - Ruinen bei Mombasa (Watamu)

7. Mai 2010

OP in Nairobi

In der letzten Ferienwoche war's soweit: Duncan und ich sind gemeinsam zum finalen Schritt der Augenkorrektur nach Nairobi gereist - der Augenoperation.
Duncan war ganz gut gelaunt, ich eigentlich auch, nur das ich die Befürchtung hatte, dass die Kosten der ganzen Geschichte doch den mir nur mündlich zugesicherten Preis (etwa 150 €) übersteigen würden. Das kommt hier z. B. bei Handwerkern sehr häufig vor, was dann öfter zu einem belasteten Abschluss eines Auftrags führt.
Unser Termin war erst am nächsten Tag, also fuhren wir zu David Monari (unser Koordinator in Nairobi) und verbrachten dort den Rest des Tages.
Am nächsten Tag, vormittags, fuhren wir zur Klinik und kamen ungewöhnlich schnell an die Reihe. Die gleichen Tests, die auch schon beim letzten Termin gemacht wurden, wurden erneut vorgenommen und ich wurde zur Kasse gebeten. Überraschenderweise war es sogar weniger. Für zwei Übernachtungen und OP wurden mir gerade mal 95 € berechnet. Wer hätte das gedacht? Duncan hatte schon diesen Tag in der Klinik zu bleiben, obwohl die OP erst am darauffolgenden Tag stattfinden sollte. Ich versorgte den zu dem Zeitpunkt noch gut gelaunten Duncan mit etwas Soda und Keksen, dann bat man mich zu gehen, da es strikte Besuchszeiten gibt.
Duncan schien sich dort mit so ziemlich allen ebenfalls stationierten Patienten zu unterhalten, zumindest konnte er mir über die meisten im Nachhinein etwas erzählen. Am nächsten Tag besuchte ich ihn nochmals zu (unmenschlichen) Besuchszeiten, von 6 bis 7 Uhr morgens und wir vereinbarten, dass er mich anriefe, sobald er erführe, wann er an die Reihe käme, da man uns vorher keine Uhrzeit sagen konnte. Am frühen Nachmittag erfuhr ich dann von seiner Mutter, dass er schon unter dem Messer liege. Ich fuhr mit Aggrey, David Monaris Neffen in die Klinik, wo wir den eben aufgewachten Duncan antrafen. Seine Augen waren am bluten und er bekam sie nur zu 1mm-Schlitzen auf, sodass man nichts von der Veränderung sehen konnte. Er war auch noch völlig benommen, sodass es gut war, Aggrey dabei zu haben, da er nur Kikisii sprach (die Sprache der Kisiis). Aggrey meinte später, er hätte trotzdem nur die Hälfte verstanden, da der Rest Unsinn gewesen sei. Wir ließen ihn wieder allein, sodass er schlafen konnte.
Am nächsten Morgen war er schon soweit, die Klinik zu verlassen. Die Augen waren zwar noch lichtempfindlich und knallrot, aber er konnte sie benutzen. Und das beste: Kein Schielen mehr! Auf den Fotos ist das auch zu erkennen, leider sind sie diesmal qualitativ auf sehr viel schlechterem Niveau als gewohnt, da ich meine Kamera vergessen hatte und die Bilder mit dem Handy machen musste. Ich brachte Duncan zu David, wo er alsbald wieder ins Bett ging, immer noch ziemlich schwach. Am nächsten Tag besorgte ich ihm eine Sonnenbrille und wir fuhren zurück nach Kisii, wo seine Eltern schon auf ihn warteten und sich auf uns freuten.
Nächste Woche ist noch mal ein Kontrolltermin fällig, jedoch werde ich ihn dort alleine hinschicken, da ich meine Arbeit nicht so vernachlässigen kann. Er wird dann jedoch von Aggrey und David betreut, sollte also keine Probleme haben. Mittlerweile geht es ihm auch wieder ganz gut, die Augen sind zwar noch etwas rot, aber er konnte wieder in den Schulalltag zurückkehren.

Durch die vielen Fahrten nach Nairobi und Übernachtungs-/Essenskosten ist schon ein stolzer Betrag für die gesamte Aktion zusammengekommen. Ich möchte mich herzlich bei meinen Unterstützern in Deutschland bedanken, auch im Namen Duncans, der nun eindeutig besser koordinieren kann (Veränderungen diesbezüglich ließen sich schon sofort nach seiner Entlassung bemerken) und sein Leben unbeschwerter leben kann.

4. Mai 2010

Mombasa die zweite - Sextourismus, Strand und Ruinen

Der zweite Versuch, einen schönen Urlaub in Mombasa zu haben hat zum Glück geklappt. Ich konnte bei zwei Freiwilligen wohnen, die dort in einem Kinderheim arbeiten. Zunächst war René ebenso da, also sind wir gemeinsam etwas herumgezogen, zunächst zum bekanntesten Strand, Diani Beach, etwas südlich die Küste runter. Der Strand war traumhaft, gerade auch, weil wir nicht in der Touristensaison da waren, es also ziemlich leer war.
Leider hatten die in Mombasa viel vertretenen Beach Boys deshalb auch nichts zu tun, sodass einer sich entschied, uns für etwa 3-4 Stunden mit seiner Anwesenheit zu beehren. Er sprach perfektes Deutsch, Französisch, Italienisch und selbstverständlich Kiswahili und packte viele Tricks aus, um sich mit uns anzufreunden, so etwa zu behaupten, wie toll die deutschen wären, während die anderen Touristen doch nichts drauf hätten usw.

3. Mai 2010

The Great Comeback

Wieder da! Jetzt muss ich schon so beginnen wie man das sonst auf Blogs liest, die alle drei Monate mal einen Beitrag verpasst bekommen. Fakt ist, ich hatte den, von vielen angekündigten Motivationstiefpunkt. Ist auch noch nicht ganz vorbei, wird aber denk ich jetzt wieder. Um einen kurzen Überblick zu geben, was in der letzten Zeit passiert ist:

In der Schule wurden die End-Term-Examen geschrieben, dann waren Ferien. Mein Plan war es ja gewesen, direkt zu Beginn nach Zanzibar zu fahren, das ist aber ins Wasser gefallen. Einen Tag vor der Abreise wurde, klar, dass mein Reisepass während dieser Zeit in Nairobi sein muss, um eine Visaverlängerung zu bekommen. Da gäbe es jetzt viel zu beschreiben, das ist aber eher langweilig, die Sache war jedenfalls, dass es keinen Ausweg gab, das Problem zu umgehen, also musste ich dableiben.
Stattdessen bin ich einige Tage nach Mombasa gefahren, da gab es ja noch etwas Urlaub nachzuholen, wie sich ein mancher vielleicht erinnert.
Nach meinem kurzen Urlaub ging es sofort mit der Streichaktion los. Mit Unterstützung der Freiwilligen Yannic und René aus dem Kisii Waisenheim haben wir viel am Hauptgebäude verändert. Eine Woche lang haben wir uns gemüht, dann stand eine weiter Tour mit Duncan an.
Die Operation in Nairobi. Das hat einige Tage gedauert, schonmal soviel: Die OP ist gut verlaufen und hatte Erfolg.
Heute hat die Schule wieder angefangen, ich werde jedoch erst einmal weiterstreichen, da das Projekt noch nicht fertig ist.

Soviel über die Ereignisse im kurzen, genauere Beschreibungen folgen alsbald.

Danke an alle, die mir gesagt haben, dass sie meine Blogeinträge vermissen, ist schön das zu hören!

Liebe Grüße aus Kenia,
Simon Sebastian

23. März 2010

Hakuna Stima

Kiswahili fuer: Es gibt keinen Strom. Und das schon seit einigen Tagen. Ein Problem, das immer wieder auftritt. Dementsprechend sitze ich nun im Internetcafe und kaempfe mit der depremierend langsamen Verbindung, um wenigstens diese paar Saetze an meine Leser weiterzuleiten.
Der Term neigt sich momentan dem Ende zu, die Examen werden geschrieben und am 1. April schliessen wir fuer etwa einen Monat die Schule. Das gibt mir die Gelegenheit, die wunderschoene Insel Zanzibar, Tanzania zu besuchen und dort zwei Wochen Urlaub zu machen. Danach werde ich Nachhilfe geben fuer diejenigen, die waehrend der Ferien in die Schule zitiert werden und mich ausserdem noch um das Streichprojekt kuemmern, das in der letzten Zeit etwas zu kurz kam.

Bis bald hoffentlich, liebe Gruesse an das tauende Deutschland

18. März 2010

Sch*** Tag!

Nachdem ich heute morgen ab 7 Uhr meinen Test in der fünften Klasse geschrieben hatte, mit zwei anschließenden Mathestunden, war ich im Begriff mich auf die nächste Stunde vorzubereiten. Aus dem Office eines unserer Verwalter kamen schreckliche Schreie, also bin ich hin.
Der Anblick war für mich ein schrecklicher. Sechs ältere Schüler hielten einen ihrer Mitschüler fest, der sich im Dreck auf dem Boden wandt und von zwei Lehrer geschlagen wurde. Bevor ich etwas gemacht hatte. Waren die Lehrer schon fertig und begannen mir zu erklären, was los sei. Und zwar habe der Schüler gestohlen, zwei Textbücher, von denen er eigentlich ja hätte wissen sollen, dass er sie umsonst bekommt (Schulmaterial). Außerdem ist sein Vater vor kurzem gestorben und gerade dann müsse man stark sein und nicht solche Sachen machen. Wie sich die Leser vermutlich vorstellen können, bin ich angesichts dessen ziemlich aus der Haut gefahren, zumal sie ihn während er geweint und gehustet hat (wegen dem Staub) ständig weiter beschimpft haben. Die Lehrer haben sich selbstverständlich angegriffen gefühlt und haben ihre Methoden verteidigt, dass in besonderen Fällen eine solche Behandlung notwendig wäre und dass schon viele ehemalige Schüler sich bei ihnen dafür bedankt hätten.
Ich habe sehr deutlich gemacht, dass ich diese Behandlung für unmenschlich halte. Mit einzelnen, nicht starken Schlägen habe ich mich mittlerweile halbwegs arrangiert (nicht, dass ich das in irgendeiner Form gutheißen könnte oder selbst praktizieren würde), aber dass sich alle auf einen stürzen und er sich vermutlich als der einsamste Junge der Welt gefühlt haben muss, mit soviel Hass gegen ihn... das konnte ich bei bestem Willen nicht aushalten. Als Reaktion darauf, dass ich so böse geworden bin, hat man mir gegen Ende der Diskussion zugestanden, dass ich bitte mit dem Jungen reden möchte, falls ich einen guten Weg wisse, ihn zur Vernunft zu bringen. Leider wurde mir nicht gestattet, gleich mit ihm zu sprechen, 'er solle erst einmal wieder normal werden'.
Daraufhin bin ich noch kurz zu dem Schüler und habe ihm gesagt, dass ich als Freund für ihn da wäre und habe das Zimmer verlassen. Im Staffroom kam noch eine Lehrerin die später dazugekommen war auf mich zu und erklärte mir, dass sie von diesen Methoden sehr wenig hielte und dass sie meinen Standpunkt verstehe.

Kurz darauf erfuhr ich, dass es kurze Zeit vorher einen Unfall gegeben hatte. 100 Meter vor unserem Gelände hatte eine junge Studentin vom Nyanchwa College versucht, auf den fahrenden Schulbus aufzuspringen, da sie auf einen Trip mitkommen wollte, zu dem sie aber nicht eingetragen war. Jedoch schaffte sie es nicht, richtig aufzuspringen, verpasste die Stufe, schlitterte kurz über die Straße und kam unter die Räder des Busses. Sie wurde ins nächste Krankenhaus gebracht, dort wurde jedoch nur noch ihr Tod festgestellt.
Als ich am Ort des Geschehens war, standen dort nur noch viele Menschen und eine Markierung war auf dem Boden.

Der etwas andere Test

Sämtliche Tests hier in Kenia, die von der ersten bis zur achten Klasse geschrieben werden, sind, bis auf spezielle Composition Tests in Englisch und Kiswahili in multiple choice. Das diese Tests also nur auf angelerntem Wissen basieren kann man sich ja vorstellen. Deswegen habe ich nun das erste mal in meiner fünften Klasse einen richtigen Mathetest geschrieben, der zum einen mit dem zu tun hat, was wir gerade im Unterricht behandelt haben, zum anderen mehr Antwort erwartet als nur a, b, c oder d. Es gab einige Missverständnisse, weil die Schüler nicht glauben wollten, dass sie auf dem Aufgabenpapier schreiben sollen, da sie für gewöhnlich einen Antwortzettel mit fünfzig verschiedenen multiple choice Antworten.
Korrigiert habe ich die Tests noch nicht, ich habe aber bei einem kurzen Überfliegen gemerkt, dass es doch noch einige Verständigungsprobleme gab, da die Kids noch nicht an diese Form von Test gewöhnt sind. Aber das wird sich sicher noch ändern.

12. März 2010

Duncan wird operiert!

Es gibt wunderbare Neuigkeiten aus Nairobi. Heute morgen waren wir beim Kikuyu Eye Hospital, damit Duncan vom Spezialisten angesehen werden kann. Erstaunlicherweise mussten wir auch nur eine Stunde warten (ein Fünftel der Zeit letztes Mal). Nach einigen Checks mit Prismen und sehr interessanten Apparaten, meinte der Spezialist, dass das Schielen mit einer Operation geheilt werden könne. Dabei werde er Muskel auf beiden Seiten kürzen und die Augen so richtig ausrichten.
Diese tolle Nachricht hat uns beide sehr freudig gestimmt. Der Termin soll am 28. April sein, d. h. ich werde in 1 1/2 Monaten wieder mit Duncan nach Nairobi und diesmal gibt es nach all den Bemühungen ein zufriedenstellendes Ergebnis. Die Operation wird etwa 150€ kosten, was verhältnismäßig billig ist.

Endlich ein Erfolg! Ich habe gerade echt gute Laune.

11. März 2010

Besuch in der deutschen Botschaft

Heute war eine Vorstellung der Botschaftsarbeit in der deutschen Botschaft, die auch ich mir nicht entgehen lies. Wir waren also alle pünktlich vor der Botschaft und durften, nachdem wir durchsucht wurden und alle Handys abgegeben hatten, in die Botschaft. Plötzlich waren wir wieder auf deutschem Boden, so schnell kann's gehen. Bei wunderbarem Kaffee wurden wir in einem Konferenzraum von der deutschen Botschafterin begrüßt.
Zunächst wurde die derzeitige Sicherheitslage besprochen, anschließend bewegte sich die Unterhaltung in Richtung Freiwilligendienst, Sinn und Zweck usw. Es wurde einiges zu der allgemeinen Keniasituation berichtet, leider kam die Vorstellung der Botschaftsarbeit meines Erachtens etwas zu kurz. Nach diesen Gesprächen konnten wir noch einige Fragen an die Mitarbeiter der Botschaft stellen um dann auch wieder nach Hause zu fahren.

Die Botschaft hat für mich so nun ein Gesicht bekommen und macht nicht mehr den Eindruck einer knallharten Einrichtung, welcher vor allem durch die Kontrollen am Eingang suggeriert wird. Deutlich wurde auch, wie wichtig der Kontakt zwischen Botschaft und den sich im Land befindlichen Deutschen ist, um diese in allen Lagen schützen zu können.
 
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