Kenia-Blog

5. März 2010

Die Kenianer und die Ironie

Nach nun einiger Zeit, die ich hier in Kenia bin, ist mir eine Besonderheit der meisten Kenianer aufgefallen. Sie kennen keine Ironie. Wenn man ironisch ist, wird das in der Regel äußerst falsch verstanden, was dazu führt, dass man wenn man nicht vorsichtig ist, ziemlich an Respekt verlieren kann, weil man ja doch sehr extreme Ansichten hat. Zwei Beispiele fallen mir ein, als ich in diese Situation geriet. Als meine Lehrerkollegen und ich es letztens davon hatten, dass ich nach Kisumu möchte, wurde mir erzählt, dass es im Lake Victoria einige Krokodile gibt. Mit ironischer Begeisterung meinte ich, dass es doch wunderbar wäre, ein kleines Krokodil mitzunehmen und hier in Kisii aufzuziehen, es mit den Hühnern von unserer Gastfamilie zu füttern und so einen tollen Freund zu haben. Mit Entsetzen wurde mir erklärt, dass Krokodile echt gefährlich sind und man sowas gesetzlich nicht darf! Also musste ich erst einmal erklären, dass ich nicht die Absicht habe, ein Babykrokodil nach Kisii einzuführen und es großzuziehen.
Ein anderes mal, in einer Social Studies Stunde am Nachmittag, fünf Minuten vor Schluss, habe ich gefragt, ob die Klasse eventuell die letzen Minuten draußen auf dem Feld spielen möchte. Da drei Schüler dagegen waren, habe ich eine Abstimmung gemacht. Genau diese drei wollten weitermachen, die restlichen 42 waren für spielen. Daraufhin habe ich die ironische Bemerkung gemacht, dass das ja etwa fifty-fifty wäre, aber meiner Abschätzung nach das Spielen eine minimale Mehrheit hätte und wir deswegen rausgehen würden. Mehrere Schüler kamen danach zu mir, um mir zu erklären, dass ich da einen Fehler gemacht hätte, denn es waren ja eigentlich mehr als eine knappe Mehrheit. Nunja.

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